2010
2006
2003

CANTABONN wur­de 2002 von sechs Bon­ner Mu­si­kern ins Le­ben ge­ru­fen, die mit ihr­en En­sem­bles die Stadt Bonn, die hie­si­ge evan­ge­li­sche und ka­tho­li­sche Kir­che so­wie den Be­reich Schu­le und Uni­ver­si­tät ver­tra­ten. 

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Michael Tippetts (1905-1998) erste kompositorische Schaffensphase gipfelte in einer Trias von Werken aus der Mitte der vierziger Jahre, der 1. Sinfonie, dem 3. Streichquartett und dem Oratorium A Child of Our Time, für das Tippett selbst das Libretto geschrieben hatte. Mit diesem 1944 uraufgeführten Werk gelang ihm endgültig der Durchbruch als Komponist, von da an zählte er zu den Leitbildern der englischen Musik im 20. Jahrhundert.

Mit dem Thema A Child of Our Time griff Michael Tippett im Zweiten Weltkrieg ein Ereignis der unmittelbaren Zeitgeschichte auf. Das Werk erzählt die authentische Geschichte des siebzehnjährigen polnischen Juden Herschel Grünspan, der in seiner Verzweiflung über die MIßhandlung und Verschleppung seiner Eltern durch die Nationalsozialisten im Herbst 1938 den Sekretär der Deutschen Botschaft in Paris erschoss. Die Partei nutzte den Mord als Anlass für die "Reichskristallnacht". 

Unter dem schockhaften Eindruck dieses Pogroms nahm Tippett die Arbeit an seinem Oratorium auf. Das Libretto beendete er im Sommer 1939, zwei Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs begann er mit der Komposition. Als Vorbild dienten Tippett die großen oratorischen Werke des 18. Jahrhunderts, Bachs Passionen und vor allem Händels Messias. Als Ausdruck des kollektiven Zorns und der Unterdrückung ersetzte er die traditionellen Choräle durch Spirituals. Trotz des tragischen Inhalts endet das Werk "mit Bildern der Aussöhnung für entzweite Welten", mit einem Hoffnungsschimmer.