2010
2006
2003

CANTABONN wur­de 2002 von sechs Bon­ner Mu­si­kern ins Le­ben ge­ru­fen, die mit ihr­en En­sem­bles die Stadt Bonn, die hie­si­ge evan­ge­li­sche und ka­tho­li­sche Kir­che so­wie den Be­reich Schu­le und Uni­ver­si­tät ver­tra­ten. 

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Tod gehört im Mittelalter zur Alltagserfahrung. Kein Bildmotiv zeigt dies drastischer als der Totentanz. Der Knochenmann spielt auf zum makabren Reigen; die Lebenden müssen ihm folgen, ohne Ansehen von Rang und Alter. Dialogtexte unter den Bildszenen verschärfen die Schockwirkung dieses "Memonto mori". Denke daran, dass du sterben musst! Die Belehrung zielt auf die größte Angst des mittelalterlichen Menschen: Unvorbereitet zu sterben und gerichtet zu werden. 

In der Musik bilden Totentanzdarstellungen und Gesänge des Todes eine Gattung, deren Tradition und expressive Wirkung auch dann nicht abreißen, als der Tod in der Neuzeit allmählich aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verbannt wird. Die hier ausgewählten Kompositionen der Spätromantik und des 20. Jahrhunderts geben dafür bei wechselnden Aspekten packende Beispiele. Die Musik schildert die Unerbittlichkeit des Todes, die Angst vor dem Tag des Gerichts, die Trostlosigkeit des Alters, das nur noch auf den Tod wartet. 

Im Zentrum steht Distlers Totentanz; der sich frei auf den Freskenzyklus in der Lübecker Marienkirche aus dem Pestjahr 1463 bezieht. 14 Spruchmotetten nach Angelus Silesius rahmen die gesprochenen Dialoge zwischen dem Tod und den Todgeweihten ein. Eine Soloflöte verbindet die szenischen Stationen mit Variationen über das Lied "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod".

Den Abschluss des Konzerts bildet SPHRAGIS von Heinrich Poos., ein bewegender Trauergesang auf Orpheus´ Tod nach der Erzählung aus Ovids Metamorphosen. Die Klage der ganzen Schöpfung um den toten Sänger mündet am Ende in ein Liebeschanson: Im Schattenreich bleibt Orpheus für immer mit seiner geliebten Euridike verbunden.